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Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD)


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Sicherheitsdienst des Reichsführers SS

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Ärmelraute

Der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (Abkürzung SD) war ein Teil des nationalsozialistischen Machtapparates in der Zeit des Nationalsozialismus im Deutschen Reich.

Inhaltsverzeichnis


Geschichte

Entstehung und Funktion

Uniformjacke eines Unterscharführers des Sicherheitsdienstes (SD) der SS mit der typischen SD-Ärmelraute und den Schulterstücken der Schutzpolizei

SD-Männer bei einer Aktion zur Verhaftung von Juden in Polen (September 1939): Oberscharführer, Sturmmann, Untersturmführer und Hauptscharführer

Der SD wurde am 5. Oktober 1931 von Heinrich Himmler als Geheimdienst der SS geschaffen und Reinhard Heydrich unterstellt. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde die Zentrale von München nach Berlin verlegt. Seine Aufgaben umfassten sowohl die Überwachung der politischen Gegner als auch von Parteimitgliedern. Damit konkurrierte der SD mit der ebenfalls Himmler und Heydrich unterstellten Geheimen Staatspolizei. Nach dem sogenannten Röhm-Putsch wurden die Zuständigkeiten der beiden Organisationen genauer abgegrenzt. Danach sollte der SD als Spionage- und Gegenspionagedienst die Gestapo bei der Entlarvung von Staatsfeinden unterstützen. Mit Erlass von Rudolf Hess vom 9. Juni 1934 wurde der SD zum einzigen parteiinternen Nachrichtendienst der NSDAP.

1935 erfolgte die Unterteilung in den „Allgemeinen SD“, der daraufhin mit Angehörigen der Sicherheitspolizei (Sipo) besetzt wurde, und dem wichtigeren „Nachrichten-SD“, der die Überwachung der Bevölkerung durchführte. Die Ergebnisse wurden in den sogenannten „Leitheften“ und später den Meldungen aus dem Reich zusammengefasst. Zu diesem Zweck standen dem SD 52 SD-(Leit-)Abschnitte mit 51 Haupt- und 519 Außenstellen zur Verfügung. 1944 arbeiteten dort 6.482 hauptamtliche SD-Angehörige und über 30.000 V-Leute. Durch Zusammenlegung von Sicherheitspolizei und SD wurde am 1. Oktober 1939 das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) gegründet. Damit wurde der SD vollends zu einer staatlichen Institution.

Auch in der Auslandsspionage konkurrierte der SD mit staatlichen Organisationen, insbesondere dem Amt Ausland/Abwehr der Wehrmacht. In der Folge des Attentats vom 20. Juli 1944 konnte der SD auch die Kontrolle über diese Institution erlangen. Der Auslands-SD unterhielt eigene Agentennetze im Ausland, z. B. im Vatikan und unterstützte ausländische faschistische Organisationen. Vor allem in den ehemals deutschen Gebieten in Polen und der Tschechoslowakei, wie auch in anderen Teilen Osteuropas, organisierte der Auslands-SD terroristische Gruppen unter den deutschen Minderheiten, die als sogenannte Fünfte Kolonnen die deutsche Besetzung vorbereiteten. Der Auslands-SD war auch federführend bei der Vorbereitung und Durchführung des Überfalls auf den Sender Gleiwitz am 31. August 1939, der als propagandistischer Vorwand für den Angriff auf Polen gebraucht wurde.

Seinen Sitz hatte der SD im Prinz-Albrecht-Palais in der Wilhelmstraße 102 in Berlin. Das Grundstück gehört heute zur Gedenkstätte Topographie des Terrors.

Judenverfolgung

Der SD war maßgeblich an der Aufstellung und Ausrüstung der SS-Einsatzgruppen beteiligt. Dabei war die Überzeugung maßgeblich, dass die Juden „natürliche“ Feinde des Staates und der NSDAP seien. Diese Haltung kam bereits im Dezember 1936 in einer Denkschrift der „Abteilung Juden“ (Abteilung II 112) zum Ausdruck, in der als „vorläufiges Ziel […] die Befreiung Deutschlands von den Juden“ bekanntgegeben wurde.[1]

Weitere Entwicklung

Bis 1942 wurde der SD von Reinhard Heydrich geführt. Nachdem Heydrich an den Folgen seiner Verletzungen bei einem Attentat in Prag verstorben war, übernahm Ernst Kaltenbrunner bis 1945 die Leitung.

Der SD wurde im Rahmen der Nürnberger Prozesse neben der SS und der Gestapo als verbrecherische Organisation verurteilt.

Zahlreiche Mitglieder des SD wurden nach 1945 unter der Leitung des ehemaligen Generalmajor der Wehrmachts- Abteilung Fremde Heere Reinhard Gehlen in westliche Geheimdienstorganisationen übernommen – zunächst in die CIA-„Organisation Gehlen“, die 1956 im neu gegründeten Bundesnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland aufging.

Organisation

SD-Hauptamt

(Listen teilweise unvollständig!)

Organisatorischer Aufbau 1936/37

Chef des SD-Hauptamtes des Reichsführers SS bzw. SD-Hauptamt: SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich

  • Amt I (Personal und Verwaltung): SS-Standartenführer Wilhelm Albert

Organisatorischer Aufbau 1938/39

  • Amt II (SD-Inland):
    • II/1 (Weltanschauliche Gegner): SS-Sturmbannführer Franz Alfred Six
      • II/11 (Weltanschauung): Erich Ehrlinger
        • II/111 (Freimaurer): Erich Hengelhaupt
        • II/112 (Judentum): SS-Untersturmführer Herbert Hagen
        • II/113 (Konfessionelle politische Strömungen): SS-Hauptsturmführer Albert Hartl
      • II/12 (Gegnerformen): SS-Untersturmführer Helmut Knochen
        • II/121 (Linksbewegung): SS-Obersturmführer Martin Wolf
        • II/122 (Mittelbewegung): Karl-Julius Stubel
        • II/123 (Rechtsbewegung): H. Seibold
    • II/2 (Lebensgebietsmäßige Auswertung): SS-Sturmbannführer Franz Alfred Six
  • Amt III (SD-Ausland):
    • III/1 (Fremdländische Gebiete): SS-Brigadeführer Heinz Jost
    • III/2 (Außenpolitische Abwehr):

Organisatorischer Aufbau des Amtes II (SD-Inland) des RSHA nach dem Geschäftsverteilungsplan vom 1. Februar 1940

Amt II (Weltanschauliche Gegnererforschung)

  • II C (Inlandsprobleme)
    • II C 1 (Kulturforschung): SS-Sturmbannführer Hans Schick

Organisatorischer Aufbau nach dem Geschäftsverteilungsplan vom März 1941

  • Amt III (Deutsche Lebensgebiete – SD-Inland): Chef SS-Standartenführer Otto Ohlendorf
    • III A (Fragen der Rechtsordnung und des Reichsaufbaus): SS-Sturmbannführer Karl Gengenbach, ab Ende 1941 SS-Sturmbannführer Wolfgang Reinholz
      • III A 1 (Allgemeine Fragen der Lebensgebietsarbeit): SS-Hauptsturmführer Justus Beyer
      • III A 2( Rechtsleben): SS-Hauptsturmführer und Regierungsrat Heinrich Malz
      • III A 3 (Verfassung und Verwaltung): durch Gruppenleiter betreut, ab 1944 Erhard Mäding)
      • III A 4 (Allgemeines Volksleben): unbesetzt
    • III B (Volkstum): SS-Obersturmbannführer Hans Ehlich
      • III B 1 (Volkstumsarbeit): SS-Hauptsturmführer Heinz Hummitzsch
      • III B 2 (Minderheiten): zurzeit unbesetzt
      • III B 3 (Rasse und Volksgesundheit): SS-Hauptsturmführer Schneider
      • III B 4 (Einwanderung und Umsiedlung): SS-Sturmbannführer und Regierungsrat Bruno Müller
      • III B 5 (Besetzte Gebiete): SS-Sturmbannführer Eberhard Freiherr von und zu Steinfurth
    • III C (Kultur): SS-Sturmbannführer Wilhelm Spengler
    • III D (Wirtschaft): zurzeit unbesetzt, Vertreter SS-Sturmbannführer Willi Seibert
      • III D 1 (Ernährungswirtschaft): zurzeit unbesetzt
      • III D 2 (Handel, Handwerk und Verkehr): SS-Sturmbannführer Heinz Kröger
      • III D 3 (Industrie und Energiewirtschaft): zurzeit unbesetzt
      • III D 4 (Arbeits- und Sozialwesen): SS-Sturmbannführer Hans Leetsch

  • Amt VII (Weltanschauliche Forschung und Auswertung – SD-Ausland) Chef SS-Standartenführer Franz Six, (Vertreter: April 1941 – 18. November 1943 SS-Obersturmbannführer und Oberregierungsrat Paul Mylius), Chef ab Ende 1943 SS-Obersturmbannführer Paul Dittel
    • VII A (Materialerfassung): SS-Obersturmbannführer und Oberregierungsrat Paul Mylius
      • VII A 1 (Bibliothek): SS-Hauptsturmführer Waldemar Beyer
      • VII A 2 (Berichterstattung, Übersetzungsdienst, Sichtung und Verwertung von Pressematerial): SS-Hauptsturmführer Helmut Mehringer
      • VII A 3 (Auskunftei und Verbindungsstelle): SS-Hauptsturmführer Karl Burmester
    • VII B (Auswertung): zurzeit unbesetzt
      • VII B 1 (Freimauererei und Judentum): zurzeit unbesetzt
      • VII B 2 (Politische Kirchen): SS-Hauptsturmführer Friedrich Murawski
      • VII B 3 (Marxismus): SS-Untersturmführer Horst Mahnke, Vorauskommando Moskau der Einsatzgruppe B
      • VII B 4 (Andere Gegnergruppen): SS-Obersturmbannführer Rolf Mühler
      • VII B 5 (Wissenschaftliche Einzeluntersuchungen zu Inlandsproblemen): SS-Hauptsturmführer Hans Schick
      • VII B 6 (Wissenschaftliche Einzeluntersuchungen zu Auslandsproblemen): zurzeit unbesetzt
    • VII C (Archiv, Museum und wissenschaftliche Sonderaufträge): zurzeit unbesetzt

Literatur

  • Shlomo Aronson: Reinhard Heydrich und die Frühgeschichte von Gestapo und SD, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1971.
  • Wolfgang Benz: Das Opfer als Täter? Die Lebensgeschichte des Erwin Goldmann. In: Dachauer Hefte Nr. 10: Täter und Opfer, 1994.
  • Heinz Boberach (Hg.): Meldungen aus dem Reich. 1938–1945. Die geheimen Lageberichte des Sicherheitsdienstes der SS, 17 Bde., Herrsching 1984.
  • Günther Deschner: Reinhard Heydrich. Statthalter der totalen Macht. Ullstein, Frankfurt/M., Berlin 1987, ISBN 3548275591
  • Michal Schvarc: Der SD und die Slowakei zwischen 1938 und 1944. SNM-Museum der Kultur der Karpatendeutschen, Bratislava 2006.
  • Michael Wildt (Hrsg. und Einleitung): Die Judenpolitik des SD 1935 bis 1938. Eine Dokumentation. R. Oldenbourg, München 1995, ISBN 3486645714
  • Ders. (Hrsg.): Nachrichtendienst, politische Elite und Mordeinheit – Der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS., Hamburger Edition 2003, ISBN 3-930908-84-0
  • Israel Gutman, Eberhard Jäckel, Peter Longerich: Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden., 4 Bde., Piper Verlag 1998, ISBN 3492227007
  • Carsten Schreiber: Generalstab des Holocaust oder akademischer Elfenbeinturm? Die ‚Gegnerforschung‘ des Sicherheitsdienstes der SS, in: Jahrbuch des Simon-Dubnow-Instituts 5 (2006), S. 327-352.
  • Carsten Schreiber: Von der Philosophischen Fakultät zum Reichssicherheitshauptamt. Leipziger Doktoranden im Dualen System von Universität und Gegnerforschung, in: V. Hehl, Ulrich (eds.), Sachsens Landesuniversität in Monarchie, Republik und Diktatur. Beiträge zur Geschichte der Universität Leipzig vom Kaiserreich bis zur Auflösung des Landes Sachsen 1952, Leipzig 2005.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Enzyklopädie des Holocausts, s.v. SD

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Letzte Aktualisierung: 10. März 2009

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